Körpersprache der Kaninchen
Kaninchen sind leise Tiere, aber keineswegs stumm. Sie verständigen sich über Haltung, Ohren, Pfoten und ein paar wenige Laute. Wer diese Sprache lesen kann, merkt früh, ob sich die Tiere wohlfühlen oder ob etwas nicht stimmt.
Entspannt und zufrieden
Ein Kaninchen, das sich sicher fühlt, liegt lang ausgestreckt auf der Seite oder auf dem Bauch, die Hinterbeine nach hinten weggestreckt. Manche Tiere kippen regelrecht zur Seite um, was Neulinge oft erschreckt. Es ist ein gutes Zeichen. Auch das sogenannte Brotlaib-Sitzen, bei dem die Pfoten unter dem Körper verschwinden, zeigt Ruhe.
Leises, gleichmäßiges Zähneknirschen beim Streicheln entspricht in etwa dem Schnurren einer Katze. Die Augen sind dabei halb geschlossen, der Körper weich.
Freude: Luftsprünge
Wenn ein Kaninchen plötzlich losrennt, in die Luft springt und dabei Kopf und Hinterteil in unterschiedliche Richtungen dreht, ist das Ausdruck von Übermut. Im Englischen heißt dieser Sprung „Binky“, im Deutschen sagt man meist einfach Freudensprung. Ein Kaninchen, das solche Sprünge zeigt, hat genug Platz und fühlt sich wohl. In zu kleinen Gehegen sieht man sie selten.
Aufmerksam und unsicher
- Männchen machen: Das Kaninchen richtet sich auf den Hinterbeinen auf, um einen besseren Überblick zu bekommen.
- Gestreckter Hals, Ohren nach vorn: Neugier mit Vorsicht. Das Tier will etwas untersuchen, ist aber bereit zur Flucht.
- Erstarren: Bei Gefahr bleiben Kaninchen regungslos sitzen, oft mit weit geöffneten Augen. Das ist kein Zeichen von Ruhe, sondern von Angst.
- Schnelles Schnuppern: Die Nase bewegt sich schneller, wenn das Kaninchen aufgeregt ist oder einen neuen Geruch untersucht.
Warnen und abwehren
Das bekannteste Signal ist das Klopfen: Das Kaninchen trommelt mit einem oder beiden Hinterläufen kräftig auf den Boden. Wildkaninchen warnen so die Kolonie vor Gefahr. Hauskaninchen klopfen bei ungewohnten Geräuschen, bei Gewitter oder manchmal auch, um Unmut auszudrücken.
Ein Kaninchen, das brummt oder knurrt, die Ohren nach hinten legt und mit erhobenem Schwanz nach vorn springt, meint es ernst. Darauf kann ein Biss folgen. Häufig ist das bei Häsinnen, die ihr Revier oder ihr Nest verteidigen, und bei Tieren mit Schmerzen.
Duftmarken und Rangordnung
Unter dem Kinn sitzen Duftdrüsen. Kaninchen reiben ihr Kinn an Möbeln, Häusern und Gegenständen und markieren so ihr Revier. Für Menschen ist dieser Geruch nicht wahrnehmbar. Auch Kotbällchen am Rand des Reviers sind Markierungen, nicht Unsauberkeit.
In der Gruppe zeigt sich die Rangordnung über Putzen und Aufreiten. Das ranghöhere Tier fordert das andere auf, es zu putzen, indem es den Kopf flach vor ihm auf den Boden legt. Aufreiten unter kastrierten Tieren hat oft mehr mit Rang als mit Sexualität zu tun.
Laute, die Sorgen machen sollten
| Laut oder Verhalten | Mögliche Bedeutung |
|---|---|
| lautes, hartes Zähneknirschen | Schmerzen, oft im Bauch |
| Quieken oder Schreien | Todesangst oder starke Schmerzen |
| sitzt zusammengekauert, frisst nicht | Notfall, siehe Krankheiten |
| Kopf ständig schief | Ohr- oder Nervenerkrankung |
Vertrauen aufbauen
Kaninchen lassen sich nicht zur Nähe zwingen. Am schnellsten gewinnst du ihr Vertrauen, wenn du dich auf den Boden setzt, ruhig bleibst und die Tiere selbst kommen lässt. Futter aus der Hand hilft. Streicheln mögen die meisten Kaninchen an Stirn, Wangen und hinter den Ohren, weniger am Bauch und an den Pfoten. Wie man junge Tiere an Menschen gewöhnt, beschreibt der Beitrag Jungkaninchen an Menschen gewöhnen.

