Kaninchen richtig füttern
Kaninchen sind auf große Mengen faserreicher Pflanzen eingestellt. Ihr Verdauungssystem funktioniert nur, wenn ständig Nahrung nachkommt. Wer das versteht, füttert fast automatisch richtig.

So funktioniert die Verdauung
Ein Kaninchen frisst viele kleine Mahlzeiten über Tag und Nacht verteilt. Der Magen hat kaum eigene Muskelkraft, um den Inhalt weiterzuschieben. Das übernimmt die nachfolgende Nahrung. Wenn ein Kaninchen längere Zeit nichts frisst, gerät die Verdauung ins Stocken, Gase bilden sich und es droht ein lebensgefährlicher Darmstillstand. Deshalb gilt: Ein Kaninchen, das nicht frisst, gehört noch am selben Tag zum Tierarzt.
Eine Besonderheit ist der Blinddarmkot. Im Blinddarm zersetzen Bakterien schwer verdauliche Pflanzenteile. Das Ergebnis scheidet das Kaninchen als weiche, glänzende Kotbällchen aus, meist in den frühen Morgenstunden, und frisst sie direkt vom After wieder auf. Sie liefern Vitamine und Eiweiß. Liegen solche Träubchen häufiger im Gehege herum, ist das ein Hinweis auf zu energiereiches Futter oder Übergewicht.
Heu: die Grundlage
Heu ist nicht Beilage, sondern Hauptnahrung, vor allem in den Monaten ohne frische Wiese. Es enthält viel Rohfaser, hält den Darm in Bewegung und sorgt dafür, dass die Zähne lange kauen und sich gleichmäßig abnutzen. Gutes Heu riecht aromatisch, ist grünlich bis hellbraun, nicht staubig und nicht muffig. Es gehört jeden Tag frisch in die Raufe, auch wenn vom Vortag noch etwas übrig ist. Kaninchen sortieren aus und fressen die besten Halme zuerst.
Frisches Grün
In der Natur bestehen große Teile der Nahrung aus Gräsern und Kräutern. Frisches Grünfutter enthält viel Wasser und deckt damit einen guten Teil des Flüssigkeitsbedarfs. Geeignet sind unter anderem:
- Wiesengras und Wildkräuter wie Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich, Gänseblümchen, Schafgarbe und Brennnessel (angewelkt)
- Blattsalate wie Endivie, Romana, Feldsalat und Chicorée
- Gemüsegrün wie Möhrengrün, Kohlrabiblätter, Fenchelgrün und Selleriegrün
- Gemüse wie Fenchel, Staudensellerie, Gurke und Paprika
- Küchenkräuter wie Petersilie, Dill, Basilikum und Minze in kleineren Mengen
Wer bisher wenig Frisches gefüttert hat, stellt die Tiere über zwei bis drei Wochen um. Wiese im Frühjahr ebenfalls langsam anfüttern, denn junges Gras ist sehr eiweißreich.
Obst und Möhren
Obst enthält viel Zucker und ist eher eine Belohnung als Futter. Ein Apfelschnitz oder ein paar Beeren sind in Ordnung, mehr nicht. Auch die Möhre ist nicht das Grundnahrungsmittel, als das sie in Bilderbüchern erscheint. Sie ist recht zuckerreich. Das Möhrengrün ist für Kaninchen wertvoller als die Wurzel.
Trockenfutter und Leckerlis
Viele Mischfutter aus dem Handel enthalten Getreide, Pellets, Melasse oder Zucker. Ein gesundes Kaninchen mit Heu und reichlich Grünfutter braucht kein Trockenfutter. Bei Tieren mit Untergewicht, im Wachstum oder bei trächtigen Häsinnen kann ein hochwertiges, getreidefreies Pelletfutter in kleinen Mengen sinnvoll sein. Joghurtdrops, Knabberstangen mit Honig und Brot gehören nicht in den Napf.
Wasser
Auch bei viel Grünfutter muss immer frisches Wasser bereitstehen. Ein schwerer Napf ist besser als eine Nippeltränke, denn aus dem Napf trinken Kaninchen in natürlicher Haltung und meist mehr. Im Winter draußen den Napf mehrmals täglich auf Eis prüfen.
Einfache Regeln für den Alltag
- Heu immer verfügbar, täglich frisch.
- Frisches Grün mehrmals täglich, möglichst abwechslungsreich.
- Neues Futter langsam einführen.
- Obst nur als kleine Belohnung.
- Kein getreidehaltiges Trockenfutter, keine Süßigkeiten.
- Wasser im Napf, immer frisch.
Wie sich das Futter auf Zähne und Ohren auswirkt, erklärt der Beitrag Zähne, Futter und Ohren. Was bei Durchfall oder Verstopfung zu tun ist, steht unter Krankheiten.
