Kaninchen aus dem Tierheim und Tierschutz
Kaninchen gehören zu den Tieren, die am häufigsten unüberlegt angeschafft und wieder abgegeben werden. Wer Kaninchen aufnehmen möchte, kann mit einer guten Entscheidung viel bewirken.
Warum so viele Kaninchen im Tierheim sitzen
Tierheime nehmen jedes Jahr zahlreiche Kaninchen auf. Die Gründe ähneln sich: Das Interesse der Kinder lässt nach, die Tiere vermehren sich unkontrolliert, weil sie nicht kastriert waren, die Pflege macht mehr Arbeit als gedacht oder es fehlt der Platz. Ein bekanntes Muster sind die Wochen nach Ostern, wenn Kaninchen als Geschenk gekauft wurden. Viele Tierschutzvereine raten deshalb ausdrücklich davon ab, Kaninchen zu verschenken.
Was das Gesetz verlangt
Das Tierschutzgesetz verpflichtet in Paragraf 2 jeden, der ein Tier hält, es seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren, zu pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen. Die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung darf nicht so eingeschränkt werden, dass dem Tier Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden entstehen. Eine eigene Verordnung mit festen Maßen für Heimtierkaninchen gibt es in Deutschland nicht. Als fachlicher Maßstab gilt das Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, siehe Haltung.
Qualzucht
Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes verbietet es, Wirbeltiere zu züchten, wenn bei den Nachkommen erblich bedingt Körperteile fehlen oder untauglich sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Bei Kaninchen werden in diesem Zusammenhang vor allem diskutiert:
- extrem kurzköpfige Zwergrassen mit Zahnfehlstellungen und engen Tränenkanälen
- Widderohren, die den Gehörgang verengen
- sehr langes, ständig nachwachsendes Fell wie bei Angorakaninchen, das ohne Schur zu Hitzestress und Verfilzung führt
- Riesenrassen mit Gelenkproblemen
Tierschutzorganisationen stufen einige dieser Merkmale als Qualzucht ein, Zuchtverbände sehen das teils anders. Für Halter heißt das vor allem: lieber ein gesundes, unauffälliges Tier als ein extremes Zuchtergebnis. Mehr dazu in den Beiträgen zu Angorakaninchen und Zwergkaninchen.
Adoption aus dem Tierheim
Kaninchen aus dem Tierheim haben viele Vorteile. Sie sind meist kastriert, geimpft, tierärztlich untersucht und manchmal schon an einen Partner gewöhnt. Die Pflegerinnen und Pfleger kennen die Tiere und können sagen, ob ein Kaninchen eher ruhig oder lebhaft ist. Üblich sind eine Schutzgebühr, ein Gespräch über die geplante Haltung und manchmal ein Besuch vor Ort. Das ist keine Schikane, sondern soll verhindern, dass ein Tier ein zweites Mal abgegeben wird.
Auch private Kaninchenhilfen und Notstationen vermitteln Tiere. Sie haben sich oft auf schwer vermittelbare oder chronisch kranke Kaninchen spezialisiert.
Kauf beim Züchter oder im Handel
Wer ein Rassekaninchen möchte, findet es bei Züchtern, die im Verein organisiert sind. Ein guter Züchter zeigt die Elterntiere, gibt Jungtiere nicht vor der neunten oder zehnten Lebenswoche ab, gibt sie in Paaren oder an Halter mit vorhandenem Partnertier ab und fragt nach den Haltungsbedingungen. Wie Zucht verantwortungsvoll aussieht, steht in der Rubrik Zucht.
Bei Tieren aus Kleinanzeigen und manchen Zoohandlungen ist Vorsicht angebracht. Häufige Probleme sind zu früh abgesetzte Jungtiere, falsch bestimmtes Geschlecht und unbekannte Impfstatus.
Wenn es nicht mehr geht
Manchmal ändern sich Lebensumstände. Wer Kaninchen abgeben muss, sollte sich früh an ein Tierheim oder eine Kaninchenhilfe wenden. Kaninchen auszusetzen ist verboten und für die Tiere fast immer tödlich: Hauskaninchen finden in der Natur weder Bau noch Schutz und werden schnell Opfer von Füchsen, Greifvögeln und Krankheiten.

