Kaninchen halten
Ein gutes Kaninchenleben steht auf drei Beinen: genug Platz zum Rennen, mindestens ein Artgenosse und ein Gehege, das Schutz, Rückzug und Beschäftigung bietet. Ob in der Wohnung oder im Garten, ist dabei weniger wichtig als viele glauben.

Wie viel Platz ist genug?
Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) nennt in ihrem Merkblatt zur Kaninchenhaltung einen klaren Richtwert: Zwei Kaninchen sollten dauerhaft mindestens sechs Quadratmeter Grundfläche zur Verfügung haben. Für jedes weitere Tier kommen mindestens 20 Prozent hinzu. Die Fläche darf auf mehrere Ebenen verteilt sein, eine Seite sollte aber mindestens 2,4 Meter lang sein. Der Grund ist einfach: Ein Kaninchen soll drei Hoppelsprünge am Stück machen können, und ein Sprung misst bei mittelgroßen Tieren rund 80 Zentimeter.
Das Merkblatt ist eine fachliche Empfehlung und kein Gesetz. Behörden und Gerichte orientieren sich aber daran, wenn es um die Frage geht, ob eine Haltung dem Tierschutzgesetz genügt. Handelsübliche Käfige mit einem Meter Länge sind als Dauerunterkunft zu klein, auch wenn die Tiere täglich Auslauf bekommen.
| Anzahl Kaninchen | Mindestfläche nach TVT |
|---|---|
| 2 | 6 m² |
| 3 | 7,2 m² |
| 4 | 8,4 m² |
Warum ein Kaninchen nie allein leben sollte
Wildkaninchen leben in Kolonien mit festen Rangordnungen. Auch Hauskaninchen sind auf Artgenossen angewiesen: Sie putzen sich gegenseitig an Stellen, die sie selbst nicht erreichen, liegen bei Kälte eng beieinander und warnen sich vor Gefahren. Ein Mensch kann das nicht ersetzen, schon weil er nachts und tagsüber über Stunden nicht da ist. Auch Meerschweinchen passen nicht: Sie sprechen eine andere Sprache, haben andere Futteransprüche und werden von Kaninchen nicht selten verletzt.
Die einfachste Kombination ist ein kastrierter Rammler mit einer Häsin. Rammler sind nach der Kastration noch einige Wochen zeugungsfähig, deshalb sollten sie erst danach zur Häsin. Wie sich Kaninchen untereinander verständigen, steht auf der Seite zur Körpersprache.
Drinnen halten
Wohnungskaninchen leben eng mit ihren Menschen zusammen, was die Beobachtung erleichtert. Ein abgetrennter Bereich oder ein ganzes Zimmer eignet sich besser als ein Käfig. Wichtig sind:
- rutschfeste Böden, etwa Teppichfliesen oder Läufer, denn auf glattem Laminat finden die Pfoten keinen Halt
- Kabel, Zimmerpflanzen und Bücherregale außer Reichweite, denn Kaninchen knabbern alles an
- eine Ecke mit Toilette, Heuraufe und Schlafhaus, damit die Tiere eine feste Struktur haben
- Ruhezeiten, denn Kaninchen sind dämmerungsaktiv und dösen tagsüber viel
Draußen halten
Ganzjährige Außenhaltung ist für gesunde, gut gewöhnte Kaninchen möglich und für viele Tiere sogar angenehm, denn sie vertragen Kälte deutlich besser als Hitze. Als Wohlfühltemperatur gelten etwa 15 Grad. Ein Außengehege braucht einen festen Witterungsschutz, ein isoliertes Schutzhaus, einen Untergrabschutz aus verzinktem Gitter und eine stabile Abdeckung gegen Marder, Füchse und Greifvögel. Kaninchendraht aus dem Baumarkt ist oft zu dünn. Wie ein solches Gehege entsteht, beschreibt der Beitrag Ein Gehege selbst bauen.
Tiere, die bisher in der Wohnung gelebt haben, sollten im Frühjahr nach draußen ziehen, damit sie bis zum Herbst ein Winterfell aufbauen können. Im Sommer brauchen Außengehege viel Schatten. Ab etwa 25 Grad wird es für Kaninchen anstrengend, sie können kaum schwitzen und geben Wärme vor allem über die Ohren ab.
Was in jedes Gehege gehört
Die Einrichtung sollte nicht starr bleiben. Wenn du Häuser, Tunnel und Kartons ab und zu umstellst, gibt es für die Tiere immer wieder etwas zu erkunden. Futter kann versteckt oder in Heu eingewickelt werden, dann sind die Kaninchen länger beschäftigt.
Vergesellschaftung
Neue Kaninchen werden auf neutralem Gebiet zusammengeführt, also an einem Ort, den keines der Tiere kennt. In den ersten Stunden wird gejagt, gerauft und Fell fliegt. Das ist normal, solange sich keines der Tiere verbeißt oder verletzt. Verstecke mit zwei Ausgängen und genügend Platz helfen. Wenn die Tiere nach ein paar Tagen nebeneinander liegen und sich putzen, hat es geklappt.
Weiterlesen
Zum Futter geht es auf der Seite Ernährung, zur Gehegepflege in der Rubrik Gehege & Stall. Das Merkblatt selbst gibt es bei der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz.

