SchnuppernasenKaninchen halten, verstehen, pflegen

Krankheiten bei Kaninchen

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Als Beutetiere verbergen Kaninchen Schwäche so lange es geht. Wenn ein Kaninchen sichtbar krank wirkt, ist es oft schon ernst. Umso wichtiger ist es, die frühen Zeichen zu kennen.

Wann es ein Notfall ist

Einige Anzeichen bedeuten: sofort zum Tierarzt, notfalls in eine Notdienstpraxis.

  • das Kaninchen frisst nicht oder kaum, auch keine Lieblingskräuter
  • seit mehreren Stunden kein oder nur sehr kleiner Kot
  • aufgeblähter, harter Bauch, das Tier sitzt zusammengekauert mit halb geschlossenen Augen
  • lautes Zähneknirschen, Apathie
  • Durchfall, vor allem bei Jungtieren
  • Atemnot, Atmen durch das Maul
  • plötzliche Kopfschiefhaltung, Rollen oder Lähmungen
  • Fliegenmaden am Körper
  • Hitzschlag: flache, schnelle Atmung, heiße Ohren, Taumeln

Bei Verdacht auf Hitzschlag das Tier sofort in einen kühlen Raum bringen, die Ohren mit feuchten Tüchern kühlen, aber nicht in kaltes Wasser setzen, und den Tierarzt anrufen.

Impfungen

Zwei Viruserkrankungen verlaufen bei ungeimpften Kaninchen häufig tödlich: die Chinaseuche (RHD, Rabbit Haemorrhagic Disease) und die Myxomatose. Beide können auch reine Wohnungskaninchen treffen, denn die Erreger gelangen über Insekten, Heu, Grünfutter oder Kleidung ins Haus.

Bei RHD gibt es zwei Virustypen, RHDV-1 und das neuere RHDV-2. Moderne Impfstoffe decken beide ab. Myxomatose wird vor allem durch Stechmücken und Flöhe übertragen und tritt im Spätsommer und Herbst gehäuft auf. Typisch sind Schwellungen am Kopf, an den Augenlidern und im Genitalbereich. Wie oft geimpft wird, hängt vom Impfstoff ab; meist ist es eine jährliche Auffrischung. Der Tierarzt legt das Schema fest.

Häufige Erkrankungen

Zahnprobleme

Fehlstellungen und zu lange Backenzähne gehören zu den häufigsten Gründen für Tierarztbesuche. Ursachen sind zu wenig Raufutter, Vererbung und bei manchen Zwergrassen ein zu kurzer Kiefer. Zeichen sind wählerisches Fressen, Speicheln und Gewichtsverlust. Mehr dazu auf der Seite Pflege.

Magen-Darm-Probleme

Aufgasung, Verstopfung und der gefürchtete Darmstillstand entstehen oft durch Futterumstellung, Stress, Schmerzen oder zu wenig Rohfaser. Sie sind immer Notfälle. Weicher, unförmiger Kot über mehrere Tage weist auf einen gestörten Blinddarm hin, häufig wegen zu viel Zucker oder Stärke im Futter.

Encephalitozoonose

Der einzellige Parasit Encephalitozoon cuniculi ist bei Kaninchen weit verbreitet. Viele Tiere tragen ihn, ohne zu erkranken. Bricht die Krankheit aus, zeigen sich neurologische Störungen wie Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen, manchmal auch Nieren- oder Augenschäden. Behandelt wird unter anderem mit dem Wirkstoff Fenbendazol. Eine Kopfschiefhaltung kann auch von einer Mittelohrentzündung kommen; das klärt der Tierarzt. Siehe auch Ohrentzündung beim Kaninchen.

Kaninchenschnupfen

Niesen, verklebte Nasenlöcher und tränende Augen deuten auf eine Infektion der Atemwege hin, oft durch Bakterien wie Pasteurellen oder Bordetellen. Schnupfen ist bei Kaninchen keine Bagatelle und gehört behandelt, bevor er chronisch wird.

Parasiten

Fellmilben verursachen Schuppen, meist am Rücken. Ohrmilben führen zu Krusten im Gehörgang. Flöhe übertragen Myxomatose. Würmer spielen eine geringere Rolle. Wie Schädlinge in das Gehege kommen, beschreibt der Beitrag Schädlinge im Gehege.

Einen Tierarzt finden

Nicht jede Praxis kennt sich gut mit Kaninchen aus. Am besten suchst du einen kaninchenkundigen Tierarzt, bevor es ernst wird, und fragst gleich nach dem Notdienst am Wochenende. Hinweise geben Erfahrungen anderer Halter, Tierheime und spezialisierte Kleintierpraxen.

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