Angorawolle gewinnen
Angorawolle ist eine der feinsten und wärmsten Tierfasern. Sie stammt vom Angorakaninchen, nicht von der Angoraziege, deren Haar Mohair heißt. Wie die Wolle vom Tier kommt, macht für das Kaninchen einen großen Unterschied.

Was Angorawolle besonders macht
Angorahaare sind sehr fein, leicht und innen teilweise hohl. Deshalb wärmt die Faser gut und fühlt sich weich an. Sie wird selten rein verarbeitet, sondern meist mit Schafwolle oder anderen Fasern gemischt, damit das Garn stabiler wird und weniger fusselt. Klassische Produkte sind Unterwäsche gegen Rheuma, Schals, Mützen und Strickgarne.
Laut Wikipedia stammte Ende der 1980er-Jahre der weitaus größte Teil der weltweit erzeugten Angorawolle aus China. Die Erzeugung in Deutschland ist klein und wird auf unter fünf Tonnen im Jahr geschätzt.
Scheren
Die Schur ist die Methode, die für das Tier am wenigsten belastend ist, wenn sie ruhig und geübt durchgeführt wird. Das Kaninchen liegt dabei auf einem Tisch oder auf dem Schoß, das Fell wird mit Schermaschine oder Schere dicht über der Haut abgenommen. Bei einer Schur etwa alle drei Monate entstehen vier Ernten im Jahr. Die Haare werden nach Qualität sortiert: Das lange, saubere Rückenhaar ist am wertvollsten, Bauch- und Beinhaar sowie verfilzte Stücke sind zweite Wahl.
Kämmen und Auszupfen beim Haarwechsel
Bei manchen Angora-Linien lösen sich die Haare zu bestimmten Zeiten von selbst. Dann lassen sie sich mit dem Kamm oder mit den Fingern sanft herauslösen, ohne dass Zug auf die Haut kommt. Das ist im Hobbybereich verbreitet, etwa bei Spinnerinnen, die die Wolle selbst verarbeiten. Entscheidend ist, dass nur Haare entfernt werden, die tatsächlich lose sind.
Rupfen
Beim Rupfen werden die Haare mit Kraft aus der Haut gezogen, auch wenn sie noch fest sitzen. Für das Kaninchen bedeutet das Schmerzen und Stress. 2013 veröffentlichte eine Tierrechtsorganisation Videoaufnahmen aus chinesischen Betrieben, die das Rupfen fixierter, schreiender Tiere zeigten. Danach nahmen zahlreiche Modeketten Angoraprodukte aus dem Sortiment. In Deutschland gilt das Rupfen unter Tierschützern als nicht vereinbar mit dem Tierschutzgesetz.
| Methode | Belastung für das Tier | Qualität der Wolle |
|---|---|---|
| Schur | gering bei geübter Hand | gut, Haare unterschiedlich lang |
| Auskämmen loser Haare | sehr gering | sehr gut, aber nur bei geeigneten Tieren |
| Rupfen | hoch, schmerzhaft | gleichmäßig lang, ohne Schnittkante |
Woran man gute Wolle erkennt
Für Verbraucher ist es schwer, die Herkunft von Angorawolle nachzuvollziehen. Hinweise geben kleine Erzeuger, die ihre Tiere zeigen und offen über die Schur sprechen, Zertifikate, die das Rupfen ausschließen, und Garne von Hobbyhalterinnen, die ihre Wolle selbst verspinnen. Wer ganz sichergehen will, greift zu tierfreien Alternativen.
Die Wolle verarbeiten
Frisch geerntete Angorawolle wird locker in Papiertüten oder Stoffbeuteln gelagert, nicht in Plastik, damit keine Feuchtigkeit entsteht. Gegen Motten helfen Zedernholz und regelmäßiges Lüften. Zum Spinnen eignen sich lange, saubere Haare; kürzere Stücke werden mit anderen Fasern kardiert. Angora filzt leicht, deshalb wird sie nur kalt und ohne Reiben gewaschen.
Die Geschichte der Rasse und ihre Zahlen fasst der Wikipedia-Artikel Angorakaninchen zusammen.

