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Kaninchen sind Nesthocker

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Ein neugeborenes Kaninchen passt in eine Handfläche, hat kein Fell, geschlossene Augen und verschlossene Ohren. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Strategie, die zum Leben im Bau passt.

Junge Kaninchen im Nest, gepolstert mit Haaren der Mutter.
Junge Kaninchen im Nest, gepolstert mit Haaren der Mutter. Foto: Stephen Rahn, CC0, Wikimedia Commons

Nesthocker und Nestflüchter

In der Biologie unterscheidet man zwei Arten, wie Säugetiere zur Welt kommen. Nestflüchter, fachlich präkoziale Tiere, sind bei der Geburt weit entwickelt: Sie sehen, hören, haben Fell und können bald laufen. Fohlen und Lämmer gehören dazu. Nesthocker, fachlich altriziale Tiere, kommen in einem frühen Stadium zur Welt und brauchen einige Wochen im geschützten Nest. Dazu zählen Mäuse, Hunde, Katzen und eben Kaninchen.

Der Unterschied zum Feldhasen

Kaninchen und Hasen werden oft verwechselt, unterscheiden sich aber gerade beim Nachwuchs deutlich. Junge Feldhasen kommen behaart und mit offenen Augen zur Welt. Sie liegen allein in einer flachen Mulde auf dem Feld, der sogenannten Sasse, und verlassen sich auf ihre Tarnung. Kaninchen dagegen bauen unterirdische Gänge und Nestkammern. Dort sind die Jungen vor Fressfeinden und Wetter geschützt, und es lohnt sich für die Art, die Entwicklung nach draußen zu verlegen.

GeburtsortNest im Bau oder in einer Nestkammeroffene Mulde im Feld
Fell bei Geburtneinja
Augengeschlossenoffen
Mobilitätkaum, bleiben im Nestnach kurzer Zeit beweglich

Was die Mutter vorbereitet

Kurz vor der Geburt trägt die Häsin Heu und Stroh zusammen und baut ein Nest. Dann rupft sie sich Haare an Brust und Bauch aus und polstert das Nest damit aus. Das hat einen doppelten Nutzen: Die Wolle hält warm, und die Zitzen liegen danach frei. Die Tragzeit beträgt rund 31 Tage. Der Wurf umfasst meist vier bis zwölf Junge, bei Zwergrassen oft weniger.

Ein Leben im Dunkeln

Die Mutter hält sich fast nie im Nest auf. Sie kommt meist nur einmal am Tag, oft in der Dämmerung, und säugt die Jungen für wenige Minuten. Kaninchenmilch ist sehr gehaltvoll, deshalb reicht das. Für Wildkaninchen ist das sinnvoll, denn eine Mutter, die ständig beim Nest sitzt, würde Fressfeinde anlocken. Viele Halter halten die Jungen deshalb fälschlich für verlassen. Wie man prüft, ob sie satt sind, steht im Beitrag Die ersten Tage nach dem Wurf.

Die großen Schritte

Die Entwicklung läuft schnell. Nach wenigen Tagen zeigt sich der erste Flaum, nach etwa zehn Tagen öffnen sich die Augen. In der dritten Woche wagen sich die Jungen aus dem Nest und probieren Heu und Grünfutter. Mit etwa acht Wochen sind sie entwöhnt. Eine Übersicht Woche für Woche gibt der Beitrag Entwicklung der Jungkaninchen.

Was das für Halter bedeutet

Wer einen Wurf erwartet, sollte der Häsin Ruhe, Nistmaterial und einen dunklen, geschützten Platz bieten. Das Nest wird nicht ständig kontrolliert, denn jede Störung bedeutet Stress. Ein kurzer Blick einmal am Tag genügt, am besten, wenn die Mutter gerade nicht da ist. Ungewollte Würfe lassen sich durch Kastration vermeiden. Wer bewusst züchten möchte, findet in der Rubrik Zucht die nötigen Grundlagen.

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