Seltene Kaninchenrassen
Neben Farbenzwerg und Zwergwidder gibt es zahlreiche Rassen, die kaum jemand kennt. Viele stammen aus Deutschland, wurden vor über hundert Jahren in einer bestimmten Region gezüchtet und werden heute nur noch von wenigen Vereinszüchtern gehalten.
Warum Rassen selten werden
Rassekaninchenzucht ist in Deutschland ein Vereinshobby. Laut Wikipedia gibt es im Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter rund 149.000 Züchter in etwa 6.800 Vereinen, mit sinkender Tendenz. Wenn bei einer seltenen Rasse nur noch wenige ältere Züchter übrig sind, kann sie innerhalb weniger Jahre verschwinden. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) führen deshalb Rote Listen, auf denen auch Kaninchenrassen stehen.
Elf seltene Rassen
- Meißner Widder: Ein Widderkaninchen mit gesilbertem Fell, bei dem sich weiße Haarspitzen über eine Grundfarbe legen. Die Rasse stammt aus Sachsen und gilt als gefährdet.
- Marburger Feh: Ein mittelkleines Kaninchen in einem weichen, bläulichen Grau, das an das Fell des sibirischen Eichhörnchens erinnert, das im Pelzhandel Feh hieß.
- Perlfeh: Ein kleines Kaninchen mit perlgrauer Färbung, dem Marburger Feh in der Farbwirkung verwandt.
- Sachsengold: Ein kleines Kaninchen in einem kräftigen, gleichmäßigen Rotgelb.
- Thüringer: Erkennbar an einer gemsfarbenen, warmen Grundfarbe mit dunklem Anflug an Kopf, Ohren und Flanken.
- Lohkaninchen: Dunkles Fell mit lohfarbenen, also rostroten Abzeichen an Bauch, Augenringen und Läufen.
- Weißgrannen: Ein Kaninchen, bei dem weiße Grannenhaare über den Körper verteilt sind und dem Fell einen silbrigen Schimmer geben.
- Rhönkaninchen: Benannt nach dem Mittelgebirge, mit einem unregelmäßig gescheckten Fell in Grau und Weiß.
- Deutsche Riesenschecke: Ein großes weißes Kaninchen mit dunkler Zeichnung, darunter einem Aalstrich auf dem Rücken und dem sogenannten Schmetterling an der Nase.
- Englische Widder: Bekannt für extrem lange Ohren, die den Boden berühren können. Die Ohrlänge ist nicht unumstritten, weil sie Verletzungen begünstigt.
- Angora: Die bekannteste unter den seltenen Rassen. Bei der BLE gilt sie seit 2025 als extrem gefährdet. Mehr dazu in der Rubrik Angorakaninchen.
Was Erhaltungszucht bedeutet
Eine Rasse zu erhalten heißt, eine genügend große Zuchtpopulation zu bewahren, damit nicht zu eng verwandte Tiere verpaart werden. Bei kleinen Beständen besteht die Gefahr der Inzucht, die Fruchtbarkeit und Gesundheit verschlechtert. Züchter tauschen deshalb Tiere über Vereins- und Landesgrenzen hinweg. Wie Vererbung funktioniert, erklärt der Beitrag Vererbung beim Kaninchen.
Seltene Rassen finden
Am ehesten trifft man seltene Rassen auf Kaninchenausstellungen, die im Herbst und Winter von Ortsvereinen und Landesverbänden ausgerichtet werden. Dort lassen sich Züchter ansprechen, die Jungtiere abgeben. Auch Arche-Höfe und Tierparks mit Haustierrassen halten manchmal alte Kaninchenrassen.
Einen Überblick über Größen und Felltypen der Rassen gibt der Beitrag Kleine und große Kaninchenrassen. Die Liste der anerkannten Rassen pflegt der ZDRK.


